2010-09-23

Gentechnisch veränderter Mais fördert Ausbreitung von Schädlingen

Ausgelöst durch den großflächigen Anbau von gentechnisch verändertem Mais breitet sich in den USA ein neuer Schädling im Maisanbau aus. Die Raupe des Western Bean Cutworm (zu deutsch etwa 'Westlicher Bohnenschneider') befällt die Kolben von Maispflanzen, war aber bislang kein Problem für Landwirte. Jetzt verursacht er massive Schäden in den Regionen, in denen MON810 (Handelsname YieldGard) der Firma Monsanto angebaut wird.

MON810 produziert ein Insektengift, das die natürlichen Konkurrenten des Western Bean Cutworm verdrängt und diesem so eine neue ökologische Nische schafft. Dies geht aus dem Bericht hervor, der diesen Freitag von Testbiotech auf einer internationalen Konferenz in Bremen vorgestellt wird.

„Nach den vorliegenden Berichten nehmen die Schäden in den letzten Jahren deutlich zu“, erklärt Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech und Autor des Berichtes. „Aber über die eigentliche Ursache der Ausbreitung des neuen Schädlings werden die Landwirte kaum informiert. Stattdessen nehmen die Agro-Konzerne die Situation zum Anlass, neuen gentechnischen veränderten Mais und äußerst giftige Insektizide zu verkaufen.“

Testbiotech wertete im Auftrag von Greenpeace verschiedene Berichte über die Ausbreitung des Western Bean Cutworm aus und befragte verschiedene Experten. Die eigentliche Ursache für die Ausbreitung des Bohnenschneiders sind auch bei den Landwirten in den USA kaum bekannt, obwohl sich der Schädling seit dem Jahr 2000 über den gesamten Corn Belt ausgebreitet hat. Die Landwirte werden nur darüber informiert, wie man die Insekten erkennen kann und welche Spritzmittel gegen sie wirken. Eine Warnung vor dem großflächigen Anbau von Mais MON810 wurde allerdings nicht veröffentlicht. Statt dessen empfehlen Unternehmen wie Monsanto neuen gentechnisch veränderten Mais anzubauen, der gleich sechs verschiedene Insektengifte produziert (genannt 'SmartStax').

Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace, fasst die Ergebnisse des Berichts zusammen. „Auf den Äckern findet ein Wettrüsten gegen die Natur statt, das zu mehr Insektengiften und immer neuen gentechnisch veränderten Pflanzen führt. Dadurch können massive Schäden in der Umwelt verursacht werden. Zu den Opfern könnten auch die Landwirte gehören, die immer mehr Geld für Saatgut und Spritzmittel ausgeben müssen, ohne dass ihre Erträge steigen. Die von der Industrie angebotenen Lösungen sind weder nachhaltig noch ökologisch angepasst und werden zu einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft führen.“

Der Bericht steht als pdf im Internet zum Herunterladen bereit unter: www.testbiotech.org

Informationen: Dr. Christoph Then, Tel.: 0151- 54 63 80 40 und Martin Hofstetter, Greenpeace, Tel.: 040 30 61 84 31

oder Andrea Reiche, Testbiotech Büro: Tel: 089 35 89 92 76

2010-09-09

Öko-Institut: Atomkraft ist kein Klimaretter

Kann Atomkraft fossile Energieträger ersetzen und CO2-Emissionen einsparen? Stehen wir tatsächlich vor einer Renaissance der Kernenergie? In der Broschüre „Streitpunkt Kernenergie“ hat das Öko-Institut seine wichtigsten Studien zum Thema zusammengefasst und mit neuen Fakten und Zahlen untermauert.

Ergebnis unter anderem: „Nur wenn die bestehenden 436 Atommeiler auf 1.000 bis 1.500 neue Anlagen ausgebaut würden, könnte Kernenergie überhaupt eine wichtige Rolle beim Klimaschutz spielen.“ Und: „Die vermeintlich neuen Argumente der Kernenergiebefürworter erweisen sich als leere Versprechen.“

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2010-08-07

Gentech-Raps wuchert ungebremst

Pflanzen können nicht mehr aus Umwelt zurückgeholt werden

Pittsburgh (pte/06.08.2010/13:50) - US-Forscher haben erstmals Beweise dafür gefunden, dass gentechnisch veränderte Pflanzen auch in den USA in freier Wildbahn überleben können. Ein Team der University of Arkansas http://www.uark.edu hat in North Dakota nach wildwachsendem Raps gesucht. Dabei haben die Forscher in 80 Prozent der gefundenen Wildpflanzen Transgene entdeckt. Die Studienergebnisse wurden beim Treffen der Ecological Society of America in Pittsburgh vorgestellt.

"Die Meldungen aus den USA zeigen, dass man sich über den langfristigen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen immer noch viel zu wenig Gedanken macht", kritisiert Christoph Then von Test Bio Tech http://www.testbiotech.org gegenüber pressetext. "Raps hat viele Kreuzungspartner und kann auch selbst zum Unkraut werden. Der Pollen fliegt über Kilometer, die Samen können über zehn Jahre im Boden fruchtbar bleiben. Auch Jahre nach dem Anbau der gentechnisch veränderten Pflanzen kann man deren Nachkommen noch im Freiland finden."

Kreuzung zweier Gentech-Raps-Sorten

Sagers und ihr Team konnten zwei verschiedene Sorten von transgenem Raps in freier Wildbahn finden. Eine davon war resistent gegen Monsantos Roundup Herbizid (Glyphosate), die andere gegen das Herbizid Gluphosinate von Bayer Crop Liberty. Die größte Überraschung waren jedoch zwei Sorten von Raps, die gegenüber beiden Herbiziden resistent waren. Das zeigt, dass sich die beiden herbizidresistenten Rapsarten untereinander kreuzen können und zu völlig neuen Varianten führen, deren Risiken nie überprüft wurden.

Insgesamt hatte das Forscherteam um Cindy Sagers elf Verbindungslinien entlang von Straßen und Autobahnen verfolgt, die durch den Bundesstaat North Dakota liefen. "Wir sind diese Wege abgefahren und haben auf einer Strecke von insgesamt 5.000 Kilometern mehr als 600 Stopps eingelegt, um dort Proben zu nehmen", so die Forscherin. An knapp der Hälfte der Plätze konnten die Forscher Raps entdecken. 80 Prozent der gefundenen Rapspflanzen enthielten zumindest ein Transgen. "Wir haben herbizidresistenten Raps entlang von Straßen, an Müllplätzen, bei Supermärkten, Tankstellen und Friedhöfen gefunden", berichtet Sagers.

Keine Chance auf Umkehr

"Wenn derartige Pflanzen einmal ins Freiland gelangen, ist das Risiko sehr hoch, dass sie nicht mehr zurückgeholt werden können. Hier werden neue technisch konstruierte genetische Informationen in die Pflanzenwelt eingebracht, die bei Kreuzungen mit anderen Genen kombiniert werden und zu Pflanzen mit völlig neuen Eigenschaften führen können", erklärt Then. "Um das tatsächliche Risiko für die Umwelt abzuschätzen, müsste man vorhersehen können, wie die Evolution in den nächsten paar Mio. Jahren verlaufen wird. Diese Verantwortung kann keine Firma, keine Regierung und kein Forscher übernehmen."

"Im aktuellen Fall war die Freisetzung noch nicht einmal geplant, sondern erfolgte unbeabsichtigt am Rande von Transportrouten. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie wenig kontrollierbar gentechnisch veränderte Pflanzen in der Praxis sind", meint Then. "Die einzig vernünftige Antwort auf die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse ist ein generelles gesetzliches Verbot der Inverkehrbringung von gentechnisch veränderten Pflanzen, deren Verbreitung und Persistenz in der Umwelt nicht kontrolliert werden kann." (Ende)

Quelle: pressetext.deutschland Redakteur: Wolfgang Weitlaner email: weitlaner@pressetext.com