2018-12-06

Humus aufbauen – Klima schützen: Zeit für Humus-Initiative

BÖLW zur Bodenzustandserhebung Landwirtschaft

Humus aufbauen – Klima schützen: Es wird Zeit für die Humus-Initiative*!

 

Berlin, 05.12.2018. Die erste Bodenzustandserhebung Landwirtschaft bestätigt die dramatischen Ergebnisse vieler Einzelstudien: Deutschlands Böden verlieren Humus. „Mit dem Humus geht unseren Böden Fruchtbarkeit und auch Widerstandsfähigkeit gegen die Folgen der Klimakrise verloren“, sagt Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) am heutigen Weltbodentag und erinnert an das hinter uns liegende Dürrejahr. „Ein echter Teufelskreis. Die Landwirtschaft schadet sich selbst, wenn sie humusschädigend arbeitet. Die Böden können weniger Wasser aufnehmen und speichern.“ Schlimmer noch: Der Kohlenstoff, der im Humus gespeichert ist, entweiche beim Humusabbau als Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre. Das heize dem Klimawandel weiter ein, so Löwenstein.

 

„Bundesministerin Julia Klöckner muss aus den Ergebnissen ihrer Wissenschaftler dringend und umgehend Konsequenzen ziehen!“, so der BÖLW-Vorsitzende. „Frau Klöckner hat es nicht nur bei der UN-Klimaschutzkonferenz in Kattowitz sondern vor allem auch bei den laufenden Verhandlungen zur Reform der EU-Agrarpolitik in der Hand. Damit die Landwirtschaft zum Teil der Lösung der Klimakrise wird, müssen die EU-Agrargelder vor allem auch gezielt für Klimaschutz ausgegeben werden – etwa für wirksame Programme zum Humusaufbau auf dem Acker. Die Bundeslandwirtschaftsministerin muss aktiv werden ehe alle Würfel für die neue Agrarpolitik in Brüssel gefallen sind!“ Bisher nicht bekannt, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium mehr Klimaschutz mit der Reform der EU-Agrarpolitik erreichen will.

 

Das System Öko-Landbau fördert Bodenleben und Humusaufbau durch reichhaltige Fruchtfolgen, den Anbau von Kleegras und Düngung mit Mist und Kompost, so Löwenstein. „Nicht nur konventionelle Betriebe, sondern auch viele Bio-Betriebe können mehr tun, um Humus zu mehren. Daher haben wir gemeinsam mit Wissenschaftlern ein Aktionsprogramm Humusaufbau* erarbeitet“, sagt Löwenstein und verwies abschließend auf Gespräche mit dem Deutschen Bauernverband, die das Ziel hätten, gemeinsam ein Maßnahmenpaket vorzuschlagen.

 

*s. anbei

 

Hintergrund

Im Bericht „Humus in landwirtschaftlich genutzten Böden Deutschlands - Ausgewählte Ergebnisse der Bodenzustandserhebung“ des Thünen-Institutes (heute vorgestellt von Thünen und BMEL) wurde zum ersten Mal eine bundesweite Inventur der landwirtschaftlich genutzten Böden durchgeführt. Anhand der gewonnen Bodenproben können Aussagen über die Sauerstoffversorgung und die Humusbildung gemacht und festgestellt werden, wie der Boden beschaffen ist.

 

Auf der Pariser Klimakonferenz (COP21) haben sich 2015 insgesamt 195 Länder erstmals auf ein allgemeines, rechtsverbindliches weltweites Klimaschutzabkommen mit dem Ziel geeinigt, den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf unter 2 °C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Den Beitrag Deutschlands zu diesem Ziel hat Bundesregierung in ihrem Klimaschutzplan 2050 konkretisiert. Demnach sollen in Deutschland die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zurückgehen. Dies ist ein ehrgeiziges Ziel, das nur erreicht werden kann, wenn alle Sektoren einen Beitrag dazu leisten.

 

Neben der Reduktion der Stickstoffüberschüsse kann der gezielte Humusaufbau eine wichtige Maßnahme sein, um die Emissionen aus der Landwirtschaft zu reduzieren. Die Anreicherung von Kohlenstoff in Form von Humus gehört zu den wenigen Klimaschutzmaßnahmen, die nicht nur Emissionen vermeiden, sondern diese sogar rückgängig machen können (negative emission technology). So geht das Umweltprogramm der UN davon aus, dass durch humusmehrende Bewirtschaftungsmethoden jedes Jahr bis zu 4.8 Gt CO2e  gespeichert werden können. Darüber erhöht Humusaufbau die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) der Landwirtschaft gegenüber den Folgen des Klimawandels. Sie wirkt sich positiv auf die Biodiversität im Boden, die Wasserspeicherkapazitäten und damit den Hochwasserschutz sowie auf die Ertragsstabilität aus.

 

Bisher wird der Humusaufbau insbesondere durch Cross-Compliance Bestimmungen (Erhaltung des Anteils der organischen Substanz im Boden, GLÖZ 6) und die Greening-Prämie im Rahmen der GAP Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (z.B. den Anbau von Zwischenfrüchten als ÖVF-Fläche) sowie durch verschiedenen GAK bzw. ELER-Maßnahmen gefördert (z.B. Boden schonende Nutzung oder Umwandlung von Ackerland in Grünland, Umstellung oder Beibehaltung der ökologischen Bewirtschaftung, etc.). Trotz dieser Bemühungen zeigen Monitoring-Ergebnisse, dass es in den letzten zwei Dekaden in Deutschland zu keiner Steigerung des Humusanteils in landwirtschaftlich genutzten Böden gekommen ist.

2018-09-12

BÖLW zum Haushalt 2019: „Ein Öko-Bundesprogramm macht noch keinen nachhaltigen Haushalt“

Einzelplan 10 hinkt Nachhaltigkeitszielen der Bundesregierung hinterher

Berlin, 11.09.2018. Der Agrar- und Ernährungshaushalt für 2019 soll im Vergleich zum Vorjahr um über 200 Mio. Euro auf 6,24 Mrd. Euro aufgestockt werden. Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) soll mit 30 Mio. Euro auf Vorjahresniveau verharren. Heute ab 16 Uhr debattiert der Deutsche Bundestag erstmals über den Regierungsentwurf des Einzelplans 10. Es kommentiert der Geschäftsführer des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Peter Röhrig:

„Ein Öko-Bundesprogramm macht noch keinen nachhaltigen Haushalt. Im Einzelplan 10 zeigt sich ein großes Missverhältnis zwischen wichtigen Zielen der Bundesregierung und ihren finanziellen Ambitionen, diese Ziele umzusetzen. Denn wer sich sinnvoller Weise zu 20 % Öko-Landwirtschaft bis 2030 im Koalitionsvertrag verpflichtet, muss das mit entsprechenden Investitionen in die Forschung unterfüttern.

Jeder Euro für eine ökologisch ausgerichtete Agrar- und Ernährungsforschung ist eine Investition, die sich gleich mehrfach auszahlt: Sie schafft echte Zukunftsperspektiven für unsere Bauern. Und stärkt eine Landwirtschaft, die Umwelt, Klima, Artenvielfalt, Böden und Wasser für unsere Kinder und Enkel schützt. Es ist auch eine Investition in eine besonders schonende Lebensmittelverarbeitung ohne Gentechnik und kritische Zusatzstoffe.

Mit den geplanten 30 Mio. Euro im Öko-Bundesprogramm zementiert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Ausgaben für Öko-Forschung auf dem Niveau des Vorjahres. Weniger als 2 % des gesamten Agrarforschungsbudgets sollen in die Zukunftsforschung investiert werden. Und dass, obwohl sich die Fragen der Praktiker an die Forschung schon heute anstauen und bereits jeder zehnte Hof ein Bio-Betrieb ist.

Auch besonders wichtig: Die Haushälter des Bundestages müssen mit Verpflichtungsermächtigungen eine langfristige Forschung ermöglichen. Denn nur mit ausreichend Zeit gelingt es zum Beispiel in der Züchtungsforschung, die wichtigen Grundlagen für neue Pflanzensorten oder Tierrassen zu legen, die optimal auf Öko-Bedingungen ausgerichtet sind.“



Hintergrund

Ende 2017 waren bereits 11 % der Höfe in Deutschland Bio-Betriebe. Trotzdem werden nach Erhebungen des staatlichen Thünen-Instituts nur 1,5 % der Agrarforschungsmittel in diesen Bereich investiert, obwohl Wissenschaftler und Landwirte einen beträchtlichen zusätzlichen Forschungsbedarf sehen, um zu einer tier- und umweltgerechten Landwirtschaft, mehr Wertschöpfung und einer schonenderen Lebensmittelverarbeitung mit weniger Zusatzstoffen zu kommen. Der BÖLW fordert deshalb eine Erhöhung des Ansatzes für das BÖLN von derzeit 30 auf mindestens 60 Mio. € im Laufe der aktuellen Wahlperiode und eine Budgetierung von 20 % der Agrarforschungsmittel für öko-relevante Fragestellungen, um die jahrzehntelange Vernachlässigung aufzuholen und die Öko-Forschung entsprechend der Zielsetzung von 20 % Öko-Landwirtschaft auszurichten.

Welche Fragen die Praxis an die Forschung hat, lesen Sie – nach Themen geordnet – auf der BÖLW-Webseite s. https://boelw.de/forschungsbedarf/

Nicht abwarten, jetzt handeln.

2018-08-09

Von München bis Cottbus: Stadtwerke kohlefrei!

Am Dienstag gab der Geschäftsführer der Stadtwerke Frankfurt (Oder) den Ausstieg aus der Braunkohle bekannt. „Wir wollen eine langfristig grünere Energieversorgung“, begründete er die Entscheidung. Ab 2022 wird das kommunale Unternehmen Fernwärme ohne den Klimakiller erzeugen.

Damit haben sich nun alle Stadtwerke in Brandenburg von der Braunkohle verabschiedet. Während die Bundesregierung ihre Klimaziele krachend verfehlt, häufen sich auch im Rest der Republik die Nachrichten vom kommunalen Kohleausstieg. München, Erlangen, Cottbus, Dessau – die Liste wird immer länger.

Die Energieversorger in öffentlicher Hand zeigen der Bundesregierung, wo die Reise hingeht!