2010-09-09

Öko-Institut: Atomkraft ist kein Klimaretter

Kann Atomkraft fossile Energieträger ersetzen und CO2-Emissionen einsparen? Stehen wir tatsächlich vor einer Renaissance der Kernenergie? In der Broschüre „Streitpunkt Kernenergie“ hat das Öko-Institut seine wichtigsten Studien zum Thema zusammengefasst und mit neuen Fakten und Zahlen untermauert.

Ergebnis unter anderem: „Nur wenn die bestehenden 436 Atommeiler auf 1.000 bis 1.500 neue Anlagen ausgebaut würden, könnte Kernenergie überhaupt eine wichtige Rolle beim Klimaschutz spielen.“ Und: „Die vermeintlich neuen Argumente der Kernenergiebefürworter erweisen sich als leere Versprechen.“

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2010-08-07

Gentech-Raps wuchert ungebremst

Pflanzen können nicht mehr aus Umwelt zurückgeholt werden

Pittsburgh (pte/06.08.2010/13:50) - US-Forscher haben erstmals Beweise dafür gefunden, dass gentechnisch veränderte Pflanzen auch in den USA in freier Wildbahn überleben können. Ein Team der University of Arkansas http://www.uark.edu hat in North Dakota nach wildwachsendem Raps gesucht. Dabei haben die Forscher in 80 Prozent der gefundenen Wildpflanzen Transgene entdeckt. Die Studienergebnisse wurden beim Treffen der Ecological Society of America in Pittsburgh vorgestellt.

"Die Meldungen aus den USA zeigen, dass man sich über den langfristigen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen immer noch viel zu wenig Gedanken macht", kritisiert Christoph Then von Test Bio Tech http://www.testbiotech.org gegenüber pressetext. "Raps hat viele Kreuzungspartner und kann auch selbst zum Unkraut werden. Der Pollen fliegt über Kilometer, die Samen können über zehn Jahre im Boden fruchtbar bleiben. Auch Jahre nach dem Anbau der gentechnisch veränderten Pflanzen kann man deren Nachkommen noch im Freiland finden."

Kreuzung zweier Gentech-Raps-Sorten

Sagers und ihr Team konnten zwei verschiedene Sorten von transgenem Raps in freier Wildbahn finden. Eine davon war resistent gegen Monsantos Roundup Herbizid (Glyphosate), die andere gegen das Herbizid Gluphosinate von Bayer Crop Liberty. Die größte Überraschung waren jedoch zwei Sorten von Raps, die gegenüber beiden Herbiziden resistent waren. Das zeigt, dass sich die beiden herbizidresistenten Rapsarten untereinander kreuzen können und zu völlig neuen Varianten führen, deren Risiken nie überprüft wurden.

Insgesamt hatte das Forscherteam um Cindy Sagers elf Verbindungslinien entlang von Straßen und Autobahnen verfolgt, die durch den Bundesstaat North Dakota liefen. "Wir sind diese Wege abgefahren und haben auf einer Strecke von insgesamt 5.000 Kilometern mehr als 600 Stopps eingelegt, um dort Proben zu nehmen", so die Forscherin. An knapp der Hälfte der Plätze konnten die Forscher Raps entdecken. 80 Prozent der gefundenen Rapspflanzen enthielten zumindest ein Transgen. "Wir haben herbizidresistenten Raps entlang von Straßen, an Müllplätzen, bei Supermärkten, Tankstellen und Friedhöfen gefunden", berichtet Sagers.

Keine Chance auf Umkehr

"Wenn derartige Pflanzen einmal ins Freiland gelangen, ist das Risiko sehr hoch, dass sie nicht mehr zurückgeholt werden können. Hier werden neue technisch konstruierte genetische Informationen in die Pflanzenwelt eingebracht, die bei Kreuzungen mit anderen Genen kombiniert werden und zu Pflanzen mit völlig neuen Eigenschaften führen können", erklärt Then. "Um das tatsächliche Risiko für die Umwelt abzuschätzen, müsste man vorhersehen können, wie die Evolution in den nächsten paar Mio. Jahren verlaufen wird. Diese Verantwortung kann keine Firma, keine Regierung und kein Forscher übernehmen."

"Im aktuellen Fall war die Freisetzung noch nicht einmal geplant, sondern erfolgte unbeabsichtigt am Rande von Transportrouten. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie wenig kontrollierbar gentechnisch veränderte Pflanzen in der Praxis sind", meint Then. "Die einzig vernünftige Antwort auf die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse ist ein generelles gesetzliches Verbot der Inverkehrbringung von gentechnisch veränderten Pflanzen, deren Verbreitung und Persistenz in der Umwelt nicht kontrolliert werden kann." (Ende)

Quelle: pressetext.deutschland Redakteur: Wolfgang Weitlaner email: weitlaner@pressetext.com

2010-07-23

Umweltorganisation will keine Lizenz zur Verunreinigung

Bonn/Wien (pte/16.06.2010/13:50) Der aktuelle Fall von vermeintlichen Spuren einer gentechnischen Veränderung in konventionellem Saatgut der Firma Pioneer Hi-Bred zeigt erneut, dass Schwellenwerte für Saatgut dringend erforderlich sind. Zu diesem Schluss kommen die Deutschen Maiszüchter in einer Aussendung. Umweltorganisationen sehen hingegen keinen Grund, eine Lizenz zur gentechnischen Verschmutzung zu erteilen, wie Global2000-Gentechnik-Experte Werner Müller http://www.global2000.at gegenüber pressetext erklärt.

"Verbraucher werden vorsätzlich getäuscht, denn wer hundertprozentige Reinheit verspricht täuscht die Konsumenten", erklärt Georg Folttmann, Leiter für Qualität und Umwelt beim Saatguthersteller KWS Saat http://www.kws.com gegenüber pressetext. "Um eine solche Reinheit zu gewährleisten müsste jedes Saatgutkorn untersucht werden." In offenen Produktionszyklen sei das somit nicht machbar. "Wir sind in Europa auf Importware angewiesen", betont Folttmann.

Kein Weg mehr zurück

"Die Saatguthersteller sollten erst einmal zeigen, wie man gentechnisch-kontaminiertes Saatgut wieder reinigt", kontert Müller. "Solange sie das nicht können, ist jede Diskussion sinnlos, denn mit der ersten Toleranz zu Verunreinigung landet man bald bei ziemlich hohen Kontaminationswerten von mehr als einem synthetischen Gen." Das wirklich Dramatische daran sei, dass es keinen Weg zurück mehr gebe.

Folttmann argumentiert damit, dass ohnehin bereits Mio. Tonnen gentechnisch verändertes Saatgut für die Futtermittel nach Europa importiert wird und damit eine Reinheit nicht gewährleistet werden könne. "Rund 80 Prozent unserer Lebensmittel kommen heute bereits mit gentechnischen Veränderungen in Berührung", so Folttmann. Von einer Gefahr für die Verbraucher oder die Umwelt könne also nicht die Rede sein. Zudem sind die in Rede stehenden gentechnischen Veränderungen in der EU als Nahrungs- und Futtermittel zugelassen.

Strenge Auslegung des Vorsorgeprinzips

Die Saatguthersteller argumentieren in der Aussendung damit, dass hundertprozentige Reinheiten auch in anderen natürlichen Stoffen sowie in Trinkwasser nicht gewährleistet werden könne. "Bei Trinkwasser kann man den Verschmutzer ausfindig machen und die Quelle abstellen", kontert Müller. Dann sei das Wasser wieder sauber. "Bei einer Gen-Verschmutzung, die sich immer wieder selbst vermehrt, ist das einfach nicht möglich. Hier hilft nur strenge Auslegung des Vorsorgeprinzips", so Müller.

Für Folttmann ist die Reinheit ein falscher Denkansatz. Grüne Gentechnologie sei ein Segen, da damit große Mengen an Pestiziden und Herbiziden eingespart werden konnten. "25 Jahre Erfahrungen mit dieser Art der Landwirtschaft haben gezeigt, dass es keine Risiken gibt." Müller sieht diese Aussage als PR-Ente der Gentech-Lobby. "25 Jahre Gentechnik in den USA und in Südamerika haben zu enormen und vielfältigen Problemen in der Landwirtschaft geführt." Dazu gehöre etwa das massive Auftreten von Unkräutern, die zunehmend als nationale Bedrohung in den USA gesehen werden - wie die New York Times kürzlich berichtete.

"Ein weiteres Problem ist das Auftreten von resistenten Insekten", so Müller. Ende 2009 hat eine Studie von Charles Benbrook vom Organic Center http://www.organiccenter.org mit Daten vom US-Department of Agriculture gezeigt, dass seit dem Beginn des kommerziellen Anbaus von Gentech-Pflanzen in den USA rund 145 Mio. Kilogramm mehr Pestizide ausgebracht wurden als zuvor (pressetext berichtete http://www.pressetext.com/news/091118025/ ).